Günther hat geschrieben: ↑19.04.2026 20:18
Mich würde auch interessieren in welchen Jahren die jeweils andere
Variante entwickelt wurde. Dabei denke ich daran das wir auf eine 120 jährige Geschichte
von Verbrennungsmotoren schauen.
Hallo Günther,
irgendwann wird es einen Artikel in einem bekannten Magazin für die Freunde des Matallbaukastens geben, in dem Bilder der Modelle und evtl auch realer Motoren erscheinen. Ich möchte jetzt und hier nicht alles Pulver verschießen.
Zu Jahreszahlen: Nikolaus Otto hat seinen Otto-Motor im Jahr 1876 vorgestellt, also vor 150 Jahren.
Die Herren Benz und Daimler bauten unabhängig voneinander im Jahr 1886 solche, bzw. ähnliche Motoren in Fahrzeuge, also vor 140 Jahren. Danach ging die Entwicklung vorwärts, jedoch nicht geradlinig, sondern oftmals verschlungen.
Viele gute Ideen sind alt, wurden aber erst spät realisiert, bzw. in Serie produziert. Die Gründe dafür waren mangelnde Materialqualität, Fertigungsmöglichkeiten, Kosten, ...
Hier ein Beispiel: Der erste erfolgreiche Vierventilmotor mit zwei obenliegenden Nockenwellen (DOHC 4V) stammt aus einem Rennmotor (Peugeot Grand Prix) des Jahres 1912, aber selbst in den 1980er Jahren war diese Technik noch den Sportmodellen der Hersteller vorbehalten und erst später wurde es Serientechnik in Gebrauchsfahrzeugen.
Es ist immer die Frage, was soll der Motor können?
Ein Sportmotor muss ohne Rücksicht auf Herstellkosten Rennen gewinnen und darf nach dem Rennen verschlissen sein.
Ein Gebrauchsmotor muss "ewig" halten, bei mäßigen Herstellkosten und möglichst geringem Verbrauch.
Ein einfacher Motor muss einfach und kostengünstig herzustellen sein, und auch lange halten.
Die meistgebauten, mir bekannten PKW-Motoren (100 Millionen Chevrolet Small Block, 22+ Millionen VW-Käfer,...) haben die relativ altmodische Low-Tech-Lösung mit untenliegender Nockenwelle und Stößelstangen, sind aber billig und nahezu unkaputtbar. Im Gegensatz dazu hat das am meisten gebaute Kraftfahrzeug der Welt (Honda Super CUB) eine für die Motorgröße relativ aufwendige Konstruktion.
Wenn's einfach geht, die Kundenwünsche und gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, gibt es keinen Grund, tief in die technische Trickkiste zu greifen.
Es gibt Firmen, da erwartet der Kunde die beste Lösung, bei anderen die höchste Leistung und wieder andere sagen "der Kunde erwartet kein High-Tech, aber einen niedrigen Preis". Alles sind gute Gründe und haben ihre Berechtigung.
Das sind die Gründe für vielfältige Motorenkonzepte und -Lösungen und warum sich alte Sachen manchmal lange am Markt halten. Auch z.B. weil die Entwicklung und die Fabrik schon bezahlt sind, und man als Hersteller mit kleinen Kosten immer noch Gewinn mit altem Zeug machen kann.
Aber eigentlich möchte ich hier kein Seminar über Motorenkonzepte und -Philosophie abhalten.